Allgemeines
Hypnose: Wir sind fasziniert und haben doch ein wenig Angst. Ist es
Scharlatanerie oder eine alternative Heilmethode? Selbst in unserer
aufgeklärten Zeit hat Hypnose etwas unheimliches an sich. Wir fürchten, zu
einem willenlosen Werkzeug zu werden und denken dabei auch ein
Jahrmarktsgaukler und Schauhypnose.
Dabei ist die Hypnose ein uraltes Heilverfahren, bei dem niemand seinen
Willen verliert. Eine Hypnotisierung gegen den eigenen Willen ist
unmöglich. Jeder von uns war schon in Hypnose. Täglich erleben wir mehr
oder weniger kurze Zeitspannen in einer leichten Trance. Wir hängen
Tagträumen nach, starren Löcher in die Luft. Wir verrichten "automatisch"
Arbeiten, ohne uns hinterher darüber bewusst zu sein, was wir gerade getan
haben. Wir fragen uns während einer Autofahrt, ob wir schon an diesem oder
jenem Punkt vorbeigekommen sind oder registrieren erstaunt, dass wir am
Ziel angekommen sind, ohne zu wissen, wie wir eigentlich dorthin gelangt
sind. All diese und ähnliche Phänomene fallen in den Bereich "hypnoider",
also hypnose-ähnlicher Zustände.
In der Hypnosetherapie werden solche Trance-Phasen gezielt
herbeigeführt, vertieft und dazu benutzt, verschiedenste Probleme zu lösen
und Störungen zu beheben.
Man kann die Hypnose als einen Zustand zwischen Wachsein und Schlafen
bezeichnen. Der Hypnotisierte ist körperlich tief entspannt. Das
Zeitgefühl geht verloren, die Umwelt wird unwichtig, man fühlt sich sehr
wohl - eine Art Kurzurlaub für Körper und Seele. Dieser Zustand kann vom
Hypnosetherapeuten hervorgerufen werden. Man nennt ihn Trance.
Die Hypnose wird manchmal auch als ein vertiefter Ruhezustand bezeichnet,
wie etwa vor dem Einschlafen: Geräusche dringen noch an Ihr Ohr, aber die
Wahrnehmungen der Sinne sind weitgehend herabgesetzt. Nur durch die Stimme
des Therapeuten sind Sie mit der Außenwelt verbunden. Ihr Zeitgefühl ist
eingeschränkt. Jetzt sind Sie besonders aufnahmefähig für therapeutische
Suggestionen und bildhafte Vorstellungen. Diese Suggestionen und inneren
Bilder sind ganz individuell auf Ihre Heilung abgestimmt und werden von
Ihrem Unterbewusstsein umgesetzt.
Stellen Sie sich Ihr Unterbewusstsein wie einen Musikautomaten vor, der
eine ganz bestimmte Auswahl von Schallplatten archiviert hat:
Negative, laute oder aggressive Musik erzeugt negative bildhafte
Vorstellungen und somit negative Einstellungen zu sich, der Umwelt oder zu
Situationen. Positive Gedankeninhalte dagegen erzeugen positive
Stimmungen.
Und dieser Musikautomaten ist veränderbar, indem man negative
Schallplatten aus dem Archiv nimmt und durch positive Musik ersetzt!
Sobald eine bestimmte Tiefe in der Hypnose erreicht ist, können
verdrängte Konflikte, Schwierigkeiten und Kränkungen erkannt werden. Diese
"Makel" werden gelöscht oder mit entsprechenden positiven Bildern und
Vorstellungen ersetzt. Ein neues, gesundes Lebensprogramm wird vom
Unterbewusstsein aufgenommen.
Die moderne Hypnosetherapie birgt enorme Chancen, Menschen bei der
Lösung verschiedenster Probleme und Störungen zu helfen. Es ist
grundsätzlich eine sehr sanfte und dennoch oft rasch wirkende Methode.
Eine Möglichkeit, ziemlich direkt mit dem Unbewussten Kontakt aufzunehmen
und positive Veränderungen in Gang zu bringen.
Die klassischen Hypnosebehandlungen standen im Ruf, schnell
Veränderungen herbeizuführen, mit leider aber oftmals nur kurzer
Haltbarkeit. Doch durch Neuerungen in der Behandlungstechnik, die
insbesondere mit dem Namen von Milton E. Erickson verbunden sind, hat sich
das grundlegend geändert. Die heutige Hypnosetherapie ist eine sehr
effektive Behandlungsmethode. Schneller und spontaner als in Gesprächen
enstehen jene emotionalen Reaktionen, die wichtige Veränderungen im Denken
und Handeln einleiten. Die moderne Hypnosetherapie ist wegen ihres guten
Zugangs zu den (oft unbewussten) Gefühlen ein wirksames
Behandlungsverfahren für viele seelische Schwierigkeiten.
Moderne medizinische Hypnose basiert auf Freiwilligkeit, die Anleitung
zur Veränderungsarbeit tritt an die Stelle des "Befehls". Das Ziel der
medizinischen Hypnose ist, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, nicht den
Menschen zu manipulieren. Durch Hypnose werden die natürlichen
Selbstheilungskräfte aktiviert, deshalb gibt es bei der Anwendung von
Hypnose kaum Nebenwirkungen.
Der Zustand, in den der Patient während der Hypnose gerät nennt man
Trance.
Der Trancezustand ist ein äußerst labiler Bereich ist. Auch ist er nicht
bei allen Hypnosesitzungen gleich.
Je nach Stimmungslage des Patienten, nach Aufregung oder Ruhe, Freude oder
Ärger, ist der Trancezustand bei einem Patienten ganz unterschiedlich.
Die Tiefe der Trance ist leider kein Maßstab für den Erfolg der
Hypnose. Je nach Patient, nach Orientierung auf die physische oder
psychische Seite wirkt die Trancetiefe verschieden auf den Therapieerfolg.
Während man im "Wachzustand" als dem normalen Bewußtseinszustand immer
verschiedene Reize gleichzeitig wahrnimmt, ist in Hypnose oder Trance die
gesamte Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, so daß man die
restliche Umgebung mehr oder weniger aus dem Auge verliert. Etwas "wie
in Trance" zu tun, ist also ein ganz alltäglicher Zustand, den man immer
wieder (z. B. bei einer konzentrierten Arbeit) erleben kann.
Diese Fähigkeit zur "Alltagstrance" wird bei der medizinischen oder
psychotherapeutischen Anwendung sehr stark und so gezielt gefördert, daß
sie zur Lösung körperlicher und/oder seelischer Probleme eingesetzt werden
kann. Dabei haben die verschiedenen Formen der sogenannten Hypnotherapie
(modernen, klinischen Hypnose), mit der die meisten Hypnosetherapeuten
heutzutage arbeiten, einige besondere Eigenschaften: In eine Trance zu
gehen und wieder aus ihr herauszukommen ist ein vollkommen freiwilliger
Vorgang, bei dem Ihr Wille, etwas zu tun oder nicht zu tun, in keiner
Weise eingeschränkt werden kann.
Ein uneingeschränktes Vertrauensverhältnis und die Zusammenarbeit
zwischen Patient und Therapeut ist die Basis jeder funktionierenden
Therapie. Die Patienten werden zunächst über die Hypnose, deren
Wirkungsweise und die ganz individuelle Vorgehensweise genauestens
informiert. Sie können jederzeit Fragen stellen und erhalten ehrliche
Antworten. Auf einen Punkt gebracht: Fehlt das Vertrauen und der Wille zur
Mitarbeit in, wird die Hypnosetherapie kaum oder gar nicht wirken.
Der bei der Hypnose angestrebte Zustand des Patienten ist also die
Trance. Zu deren Einleitung wird die Aufmerksamkeit des Patienten weg
von äußeren Reizen auf die Stimme des Therapeuten gelenkt und die
Umweltwahrnehmung in den Hintergrund gedrängt. In der Folge kommt es in
der Regel zunächst zu einer körperlichen Entspannung. Der so entstandene
Entspannungszustand geht einher mit einer Beruhigung von Atmung und
Pulsschlag. Über eine angenehme körperliche und geistige Entspannung wird
das „Tor zu Ihrem Unterbewusstsein geöffnet“. Dies führt zu einer
gesteigerten Empfänglichkeit für Suggestionen, welche in der Heilhypnose
therapeutisch genutzt werden.
Geht es im Wesentlichen darum, eine normalerweise eher unangenehme
Untersuchung oder Behandlung angenehmer zu machen (z.B. beim Zahnarzt oder
Internisten), so wird das innere Ziel dieser Aufmerksamkeit ein positives
und angenehmes sein, das im allgemeinen schon vor der Trance vom Patienten
selbst ausgesucht wird (z. B. eine schöne Urlaubserfahrung oder eine
sportliche Tätigkeit). Je wirklicher ein Patient dann dieses innere
Erleben erfährt, desto mehr rückt die äußere Wirklichkeit in den
Hintergrund (der Bohrer beim Zahnarzt, der Schlauch einer Magenspiegelung
...).
Hypnose hilft hier also dabei, die Fähigkeit zu entwickeln, in eigener
Verantwortung unterschiedliche unangenehme ärztliche Maßnahmen entspannt
und zufrieden wahrzunehmen. In der angewandten Hypnose werden negative
persönliche Eigenschaften, Gewohnheiten und Erlebniseindrücke mittels
Suggestionen durch neue, angenehm-positive Eindrücke ersetzt. Auf diese
Weise lassen sich sogar tief verwurzelte Verhaltensweisen nachhaltig
verändern.
Dieser Vorgang funktioniert genau so einfach, wie er sich anhört, da
ständig wiederholte Gedanken eine zwingende Bewusstseinswandlung zur Folge
haben. So können Raucher z. B. von Ihrer jahrelangen Gewöhnung und Sucht
völlig befreit werden, Übergewichtige werden von "dick ist schick" auf
"dünn ist in" umprogrammiert.
Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die meisten Menschen
hypnotisierbar sind. Intelligente Menschen mit einem starken Willen
sind besonders gut zu hypnotisieren. Man kann sagen, dass jeder, der
schlafen und träumen kann, auch hypnotisiert werden kann - wenn er es
will! Hypnose ist nämlich immer ein freiwilliger Vorgang. Niemand kann
gezwungen werden, in Hypnose Dinge zu tun, die er im Wachzustand ablehnen
würde. Jeder behält in Hypnose die völlige Kontrolle und kann die Trance
jederzeit beenden. Niemand ist in Hypnose dem Hypnotiseur ausgeliefert.
|