Allgemeines
Jeder 3. Deutsche leidet ständig unter Rückenschmerzen. Rückenbeschwerden sind der häufigste Grund für einen
Praxisbesuch und sind die Ursache für ca. 20% aller Krankschreibungen!
Fast die Hälfte aller Rentenanträge gehen auf das Konto degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen
("Verschleiß").
Jeder 4. Patient beim Allgemeinmediziner kommt wegen Rückenschmerzen
Jeder 2. Patient beim Orthopäden hat Probleme mit seiner Wirbelsäule
Es ist eine von alters her bekannte medizinische Tatsache, daß die Verrenkung eines Wirbels krankhafte Folgen im gesamten Körper zur Folge haben kann. Wird nun der Wirbel wieder eingerenkt, sollte auch das
dadurch ausgelöste Krankheitsbild wieder verschwinden.
Auf dieser Überlegung beruht das Prinzip der Chirotherapie.
Die Chirotherapie verfolgt das Ziel, funktionseingeschränkte, sog. blockierte Gelenke mittels besonderer Handgriffe oder Übungsbehandlungen von übermäßiger Gewebespannung zu befreien, d.h. ihren natürlichen, individuellen Bewegungsspielraum wieder herzustellen. Das "Einrenken" oder "Knochenrichten" ist fast so alt , wie die Geschichte der Menschen . Bei vielen Völkern war es üblich, dass nach schweren Arbeiten Heilkundige ihre "Patienten" mit Händen und Füssen bearbeiteten, um die malträtierten Glieder zu entspannen. Hippokrates, der Begründer der Medizin, wie sie uns heute geläufig ist, betonte wiederholt, "... dass es notwendig sei, die Wirbelsäule gut zu kennen, da viele Erkrankungen von ihr im Zusammenhang stehen und deshalb die Kenntnis für das Heilen vieler Erkrankungen notwendig
sei."
Die Wurzeln der heute in Deutschland praktizierten Techniken gehen auf 2 Amerikaner zurück. Vor etwa 120 Jahren entwickelte Andrew Still (1824 - 1912), inspiriert durch überlieferte manuelle Techniken ein System, das die Hauptüberlegung beinhaltete, dass Erkrankungen auf Strukturfehler an Gelenken bzw. deren Funktionen beruhen. Er gründete eine Schule der von ihm benannten Osteopathen - ein Kunstwort, bestehend aus Osteo = Knochen und Pathos = Schmerz/Leiden. Er
benannte es so, weil der Knochen der Angriffspunkt ist, durch den er in die Lage versetzt wurde, die Ursache eines pathologischen Zustandes festzustellen.
Ein weiterer Mann, der sich Verdienste in dieser Behandlungsart erwarb, war David Daniel Palmer (1845 - 1913).
Am Anfang war es mehr eine Art Handwerk mit Missionarscharakter, als eine abgesicherte Heilbehandlung - aber mit beträchtlichem
Erfolg: Palmer befreite um 1895 einen fast völlig gehörlosen Patienten durch Einrenken der Halswirbelsäule von seiner Taubheit
und gilt deshalb heute als der "Vater der Chiropraktik". Das führte bei aller sinnigen und unsinnigen Kritik dazu, dass sich immer mehr konservativ arbeitende Mediziner für diese neue Behandlung interessierten. Es entstanden nicht schulmedizinische und schulmedizinische Arbeitskreise, die sich zwar für die Sache selbst einsetzten, sich aber untereinander nicht unbedingt verstanden und kräftig beharkten. Letztendlich waren diese Auseinandersetzungen aber fruchtbar, es wurde probiert, theoretisiert, analysiert und letztendlich setzte sich das Geprüfte durch. Man organisierte sich, gründete Verbände und aus der anfänglich belächelten Außenseitermethode wurde eine ernstzunehmende - wenn auch noch nicht in allen Schritten erforschte -Behandlungsmethode.
"Aus der Geschichte kann und sollte man lernen" ist ein geflügelter Satz. Sich zurückzulehnen und auf Erfolgen auszuruhen, bedeutet Stillstand bzw. Rückschritt. Konstruktive Kritik ist immer angebracht. So sollte man sich von überholten Vorstellungen lösen, wie z.B. der Subluxationstheorie bzw. der Vorstellung, dass es sich bei der Chiropraktik oder Manipulationstherapie um Korrekturen von Gelenkstellungen handelt. Dies sind Begriffe und Aufgabenstellungen der Traumatologie/Orthopädie und stiften nur Verwirrung bei Patienten und Irritationen bei allen Berufsgruppen, die sich mit dem Bewegungsapparat beschäftigen.
Die Chirotherapie ist ein Zweig der manuellen Therapie, zu denen auch die gesamte Palette der physiotherapeutischen Anwendungen gehört.
Man kann sie vielleicht als Bindeglied zwischen der klinischen Behandlung struktureller Erkrankungen einerseits und der Krankengymnastik zur spezifischen Behandlung einer gestörten Motorik andererseits ansehen.
Ihre Domäne sind die funktionellen Beschwerdebilder und ihre Folgen, d. h. die aufgrund von statischer oder traumatischer Überlastung entstandene Beeinträchtigung des physiologischen Gelenkspiels (Jointplay) von Wirbelsäulen- und
Extremitätengelenken.
Es ist für eine moderne Lebensführung charakteristisch, dass wir unseren Bewegungsapparat mehr statisch und immer seltener dynamisch belasten. Im Klartext: wir sitzen mehr, als dass wir uns bewegen! Als Folge haben statisch bedingte Störungen eine zunehmende Bedeutung für die Leistungsfähigkeit des einzelnen und andererseits wird die statische Überlastung bestimmter Muskelgruppen häufig zur Ursache von Störung der motorischen Stereotype (veränderte Bewegungsmuster).
Ob es nun zu manifesten Veränderungen kommt oder ob die Funktionsstörungen nun über reflektorische Vorgänge kompensiert werden können, dabei spielt die Schmerzintensität, die Reizschwelle und die Reagibilität (labile neurovegetative Regulatorien) der gereizten Strukturen ein große Rolle.
|